Pferdebox Masse: Mindestgrösse, Empfehlungen und Vorschriften in der Schweiz

Die Box muss mindestens 1,5-mal so breit sein wie das Pferd an der Widerristhöhe misst, die Mindestfläche einer Einzelbox liegt je nach Pferdegrösse zwischen 5,5 und 12 m², und die Mindesthöhe zwischen 1,8 und 2,5 m. Diese drei Zahlen aus der Schweizer Tierschutzverordnung (TSchV, Anhang 1 Tabelle 7) beantworten die häufigste Frage sofort. Sie gelten unabhängig davon, ob es sich um eine Innenbox oder eine Aussenbox handelt, und sind vom eigenen Produktmass Ihrer künftigen Box zu unterscheiden – dazu mehr in §8. Auch hier gilt: Gemeint ist die stationäre Box, nicht der Pferdeanhänger.

Pferd steht ruhig in einer geräumigen Innenbox, im Vordergrund eine Messlinie zur Illustration der Widerristhöhe
Die Boxengrösse richtet sich nach der Widerristhöhe des Pferdes – nicht nach einem festen Standardmass. (Illustrative Szene)

1. Rechtliche Grundlage: die Tierschutzverordnung (TSchV)

Massgeblich ist die Tierschutzverordnung (TSchV, SR 455.1), Art. 10: Ställe und Gehege müssen die Mindestanforderungen nach den Anhängen 1–3 erfüllen. Für Pferde (Equiden) ist das Anhang 1, Tabelle 7. Die Einhaltung wird von der kantonalen Fachstelle kontrolliert, in der Regel geleitet durch die Kantonstierärztin oder den Kantonstierarzt; das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) ist die Aufsichtsbehörde auf Bundesebene.

  • Mindestanforderung – die gesetzliche Untergrenze nach TSchV. Wer diese unterschreitet, verstösst gegen geltendes Recht.
  • Empfehlung – zusätzliche, freiwillige Planungsmarge, die dieser Ratgeber in §7 als eigene redaktionelle Einschätzung formuliert, nicht als Gesetzeszitat.

Die in diesem Artikel genannten Zahlen wurden gegen die zum Zeitpunkt der Recherche in Kraft stehende TSchV-Fassung geprüft (Stand 1. Februar 2026, siehe Quellen). Ändert sich die Verordnung, werden die Werte in diesem Artikel nachgeführt (siehe Update-Trigger).

2. Mindestmasse nach Widerristhöhe

Die folgende Tabelle zeigt die Mindestfläche und Mindesthöhe für eine Einzelbox (bzw. Einraumgruppenbox) über alle sechs Widerristhöhen-Klassen der TSchV, sowie eine Beispielrechnung für die Mindestbreite nach der Regel «Breite ≥ 1,5 × Widerristhöhe».

Widerristhöhe-KlasseMindestfläche EinzelboxMindesthöheBeispiel Mindestbreite (1,5 × Wh)
< 120 cm5,5 m²1,8 m≥ 180 cm (bei 120 cm Wh)
120–134 cm7 m²1,9 m≥ 201 cm (bei 134 cm Wh)
134–148 cm8 m²2,1 m≥ 222 cm (bei 148 cm Wh)
148–162 cm9 m²2,3 m≥ 243 cm (bei 162 cm Wh)
162–175 cm10,5 m²2,5 m≥ 263 cm (bei 175 cm Wh)
> 175 cm12 m²2,5 m≥ 263 cm, proportional zur tatsächlichen Wh

Die letzte Spalte ist eine eigene Beispielrechnung dieses Ratgebers (1,5 × oberer Klassenwert), keine separate TSchV-Zahl – die Verordnung selbst nennt nur die Fläche, die Mindesthöhe und die 1,5-fache-Breitenregel; eine Mindesttiefe gibt es nicht, sie ergibt sich rechnerisch aus Fläche geteilt durch Breite.

  • Zuschlag für Stuten mit Fohlen: Ist das Fohlen älter als zwei Monate, muss die Fläche um mindestens 30 % erhöht werden. Das gilt auch für Abfohlboxen.
  • Toleranzwerte: Für einzelne Klassen nennt die TSchV tiefere «Toleranzwerte» für Fläche und Höhe. Diese gelten ausschliesslich für Ställe, die bereits am 1. September 2008 bestanden – ein Neubau oder eine Neuinstallation muss immer das volle Mindestmass aus der Tabelle oben erfüllen, nicht den tieferen Toleranzwert.

3. Raumhöhe: wie hoch muss die Box sein?

Die Mindesthöhe aus der Tabelle oben (1,8–2,5 m je nach Klasse) ist die lichte Raumhöhe im Bereich, den das Pferd tatsächlich nutzt – gemessen bis zur tatsächlichen Decke des Gebäudes, nicht bis zur Oberkante der Boxenwand. Das ist ein wichtiger Unterschied zur Systemhöhe einer Katalog-Vorderwand oder -Trennwand (zum Beispiel 2,20 m bei der Standard Linie): Weil die Wände oben offen gitterförmig auslaufen, reicht der nutzbare Luftraum über die Wand hinaus bis zur Stalldecke. Eine 2,20-m-Wand widerspricht also nicht automatisch einem TSchV-Minimum von 2,3 m für eine grössere Pferdeklasse, solange die tatsächliche Raumhöhe darüber ausreicht. Diese Einordnung ist bereits aus unserem Ratgeber «Pferdebox kaufen in der Schweiz» bekannt und wird hier nicht neu erfunden, sondern konsistent weitergeführt.

4. Auslauffläche: Bewegung über die Box hinaus

Die Box allein deckt den Bewegungsbedarf eines Pferdes nicht ab. Art. 61 TSchV unterscheidet zwischen Nutzung (Reiten, Arbeit) und Auslauf: Pferde, die nicht regelmässig genutzt werden, brauchen mindestens 2 Stunden Auslauf pro Tag; genutzte Pferde brauchen Auslauf an mindestens 2 Tagen pro Woche, je mindestens 2 Stunden.

Widerristhöhe-KlasseAuslauf, permanent zugänglich (m²/Tier)Auslauf, nicht angrenzend (m²/Tier)
< 120 cm12 m²18 m²
120–134 cm14 m²21 m²
134–148 cm16 m²24 m²
148–162 cm20 m²30 m²
162–175 cm24 m²36 m²
> 175 cm24 m²36 m²

Die TSchV nennt zusätzlich eine empfohlene, nicht verbindliche Auslauffläche von 150 m² pro Tier (unabhängig von der Klasse). Für einen nicht angrenzenden, reversibel witterungsgeschützten Paddock gilt eine Obergrenze von 800 m² auch bei 5 oder mehr Pferden; bei permanent zugänglichem Auslauf in Gruppenhaltung wird ab dem 6. Tier ein Zuschlag von 75 m² pro Tier empfohlen. Bei extremen Wetter- oder Bodenverhältnissen darf der Auslauf ausnahmsweise auf einer überdachten Fläche gewährt werden (Art. 61 Abs. 3).

5. Innenbox oder Aussenbox: gelten unterschiedliche Masse?

Nein. Die TSchV setzt keine unterschiedlichen Mindestmasse für Innenboxen und Aussenboxen – dieselbe Tabelle 7 gilt unabhängig von der Bauart. Was sich unterscheidet, ist die praktische Umsetzung: Bei einer Aussenbox muss der Witterungsschutz baulich in der Box selbst stecken (eigenes Dach), bei einer Innenbox übernimmt das Gebäude diese Funktion.

KriteriumInnenboxAussenbox
Gesetzliches Mindestmass (Fläche/Höhe)identisch – gleiche Tabelle-7-Klasseidentisch – gleiche Tabelle-7-Klasse
Katalog-StandardgrössenVorderwand-/Trennwand-Systeme, 2,50–5,00 m Breitefreistehende Einheiten, 3×3 m bis 4×4 m
Witterungsschutzdurch das Gebäude gegebendurch eigene Dachkonstruktion sichergestellt
Typischer EinsatzReitanlage, Pensionsstall, Umbau bestehender ScheunePaddockbox, Weideanschluss, Aussenhaltung

6. Ponys und Shetlandponys: eigene Regeln?

Nein, keine eigene Kategorie. Die TSchV skaliert durchgehend nach Widerristhöhe – ein Pony oder ein Shetlandpony fällt schlicht in die Klasse «< 120 cm» (5,5 m² Fläche, 1,8 m Höhe) und braucht keine gesonderte Ausnahmeregel. Der Katalog trägt dem mit eigenen Mini- und Shetland-Linien Rechnung, die genau für diese Grössenklasse konzipiert sind (siehe §8).

7. Empfehlung: mehr als das gesetzliche Minimum

Die Zahlen aus §2 sind eine gesetzliche Untergrenze, kein Planungsziel. Unsere Empfehlung – ausdrücklich eine redaktionelle Einschätzung, kein BLV-Zitat – lautet, beim Neubau oder bei der Sanierung eine Marge oberhalb des Minimums einzuplanen: mehr Fläche erleichtert das Ausmisten, senkt das Verletzungsrisiko beim Aufstehen und Abliegen grosser Pferde und schafft Reserve, falls später ein grösseres Pferd einzieht. Eine feste Prozentzahl nennen wir hier bewusst nicht als «offizielle» Grösse – jede Planungsmarge ist eine wirtschaftliche und bauliche Abwägung, keine zusätzliche gesetzliche Vorgabe.

8. Vom Gesetz zum Katalog: passende Boxenlinien nach Grösse

Die folgende Tabelle ordnet den TSchV-Klassen die passenden Katalog-Linien zu. Wichtig: Die Linienhöhe ist eine Systemhöhe (Wandhöhe), nicht die TSchV-Raumhöhe aus §3 – ein Vergleich ist deshalb nur als Orientierung zu verstehen, nicht als Zertifikat der gesetzlichen Konformität, die von der tatsächlichen Gebäudehöhe abhängt.

TSchV-KlassePassende Katalog-Linie(n)Verfügbare BreitenLinienhöhe (Systemhöhe)
< 120 cmMini / Shetland (VWSTMI / VWSTSH)250–350 cm1,20 m
120–134 / 134–148 cmStandard (VWST)250–400 cm2,20 m
148–162 cmStandard oder Profi (VWST / VWPR)250–500 cm2,20–2,45 m je Modell
162–175 / > 175 cmProfi oder Excellent (VWPR / VWEX)300–500 cm2,30–2,45 m je Modell
alle Klassen bis 12 m² FlächenbedarfAussenbox Standard (Pultdach / Satteldach / Texas)3×3 bis 4×4 m (9–16 m²)eigene Dachkonstruktion

Bei der grössten Aussenbox-Ausführung (4×4 m = 16 m²) liegt die verfügbare Fläche deutlich über dem gesetzlichen Minimum von 12 m² für die grösste Pferdeklasse – ein Beispiel dafür, dass Katalogmasse und gesetzliches Minimum zwei unterschiedliche Grössen sind, die sich hier zugunsten des Pferdes unterscheiden.

9. Wenn Ihre Situation nicht ins Raster passt: Massanfertigung

Die TSchV setzt eine Untergrenze, keine Katalogschablone. Passt Ihr Gebäude, Ihr Pferdebestand oder Ihr Platzangebot nicht exakt in eine Standardbreite, ist eine Massanfertigung mit Zwischenmass der übliche Weg, mit dem Schweizer Ställe gleichzeitig das gesetzliche Minimum und die tatsächliche Grösse ihrer Pferde erfüllen. Das gilt sowohl für einzelne Zwischenbreiten als auch für ungewöhnliche Grundrisse mit Stützen, Kaminschächten oder schrägen Wänden.

Grundriss-Skizze eines Stallumbaus mit eingezeichneten Boxenbreiten und einer hervorgehobenen Zwischenmass-Box
Individuelle Planung: Zwischenmasse und unregelmässige Grundrisse lassen sich in die Boxenplanung einrechnen. (Illustrative Szene)

Häufige Fragen

  • Wie gross muss eine Pferdebox in der Schweiz mindestens sein?

    Das hängt von der Widerristhöhe des Pferdes ab. Nach TSchV Anhang 1 Tabelle 7 reicht die Mindestfläche einer Einzelbox von 5,5 m² (Pferde unter 120 cm Widerristhöhe) bis 12 m² (Pferde über 175 cm), die Mindesthöhe von 1,8 m bis 2,5 m. Die Mindestbreite muss zusätzlich mindestens dem 1,5-Fachen der Widerristhöhe entsprechen.

  • Gilt die Mindestgrösse auch für Ponys und Shetlandponys?

    Ja, es gibt keine eigene Ausnahmeregel. Ponys und Shetlandponys fallen in die tiefste TSchV-Klasse («< 120 cm Widerristhöhe») mit 5,5 m² Mindestfläche und 1,8 m Mindesthöhe – dieselbe Systematik wie bei allen anderen Grössenklassen.

  • Muss eine Aussenbox grösser sein als eine Innenbox?

    Nein. Die TSchV setzt für Innen- und Aussenboxen dieselben Mindestmasse nach Widerristhöhen-Klasse. Der Unterschied liegt nicht in der Grösse, sondern darin, wie der Witterungsschutz sichergestellt wird: bei der Aussenbox durch die eigene Dachkonstruktion, bei der Innenbox durch das Gebäude.

  • Was bedeutet der «Toleranzwert» in der Tierschutzverordnung?

    Der Toleranzwert ist eine tiefere Fläche- oder Höhenangabe, die für Ställe gilt, die bereits am 1. September 2008 bestanden. Er ist keine allgemeine Alternative zum Mindestmass: Ein Neubau oder eine Neuinstallation muss immer das volle, in §2 genannte Mindestmass erfüllen.

  • Wie viel Auslauf braucht ein Pferd zusätzlich zur Box?

    Pferde ohne regelmässige Nutzung brauchen mindestens 2 Stunden Auslauf täglich, genutzte Pferde mindestens 2 Tage pro Woche mit je 2 Stunden. Die Mindestfläche für permanent zugänglichen Auslauf liegt je nach Widerristhöhen-Klasse zwischen 12 und 24 m² pro Tier, für nicht angrenzenden Auslauf zwischen 18 und 36 m² pro Tier.

  • Was, wenn meine Box nicht in ein Standardmass passt?

    Dann ist eine Massanfertigung mit Zwischenmass der übliche Weg. Der Katalog deckt gängige Breiten von 2,50 m bis 5,00 m (Innenbox) bzw. Standardgrössen von 3×3 m bis 4×4 m (Aussenbox) ab; alles dazwischen oder darüber hinaus lässt sich in Absprache planen, damit sowohl das gesetzliche Minimum als auch die tatsächliche Pferdegrösse erfüllt sind.

Quellen und Verifikation